Prüfungen

Abiturstress: Mit diesem Zeitplan geht dein Kind ruhiger ins Abi

Von David März · 14. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

Kurz vor Weihnachten letztes Jahr hatte ich ein Infogespräch mit einer Familie. Die Tochter sollte im Frühjahr Mathe-Abi schreiben und hatte panische Angst, dass das alles nichts wird. Sie traute es sich schlicht nicht zu. Im Mai kam sie mit 12 Punkten aus der Prüfung. Was dazwischen lag, war vor allem ein Plan. Woche für Woche aufgeschrieben, mit einem festen Ende und viel Luft danach.

Woher der Druck im Abi-Jahr meistens kommt

Stress vor dem Abitur hat viele Quellen. Drei begegnen mir in Gesprächen mit Familien immer wieder:

  • Die Aufgabe ist zu groß, um anzufangen. „Fürs Abi lernen“ lässt sich an einem Dienstagnachmittag nicht abhaken. Also wird es auf morgen verschoben, und dann auf übermorgen.
  • Niemand weiß, wo man gerade steht. Die letzte Klausur war eine 3, die davor eine 1. Was heißt das für Mai? Ohne Antwort füllt der Kopf die Lücke selbst, und zwar meistens mit dem schlimmsten Fall.
  • Alte Baustellen tauchen wieder auf. Im Mathe-Abi braucht man Umformen, Brüche und Funktionen aus der Mittelstufe. Wer dort unsicher ist, merkt es oft erst an einer Abi-Aufgabe. Mehr dazu im Artikel über Mathe-Lücken vor der Oberstufe.

Die Forschung zum Aufschieben passt gut dazu. Der Psychologe Piers Steel hat 2007 hunderte Einzelbefunde zusammengefasst (Psychological Bulletin). Besonders häufig schieben Menschen auf, wenn eine Aufgabe unangenehm ist, der Termin weit weg wirkt und sie wenig daran glauben, es zu schaffen. Untersucht wurden vor allem Studierende, und gemessen wurden Zusammenhänge. Als Hinweis für Eltern taugt es trotzdem: Wenn dein Kind einfach nicht anfängt, kann Überforderung dahinterstecken. Und die lässt sich mit einem Plan kleiner machen.

Der Plan, rückwärts vom Prüfungstag gerechnet

Die Abi-Prüfung der Schülerin lag Anfang Mai. Angefangen haben wir im Januar. So war der Plan aufgebaut:

1. Erst messen, wo sie steht

Am Anfang stand unsere Lernstandsanalyse, zugeschnitten aufs Abitur: ein Blatt mit Aufgaben im Stil der Prüfung, das wir gründlich auswerten. Danach war klar, welche Themen sitzen und welche fehlen. Aus „ich muss alles können“ wurde eine Liste mit einer Handvoll Themen. Allein das hat schon einiges an Druck rausgenommen.

2. Die Wochen verteilen, Lücken zuerst

Jede Woche bekam einen Schwerpunkt, und zwar zuerst die Themen, die im Check gefehlt hatten. Dazu feste Termine in der Einzelnachhilfe und kurze Einheiten zu Hause. Dass Wiederholen über mehrere Wochen besser hängen bleibt als Pauken am Stück, gehört zu den am besten belegten Ergebnissen der Lernforschung (Dunlosky und Kolleg:innen, 2013).

3. Den Stoff 6 Wochen vor dem Termin abschließen

Der Plan für den Stoff endete schon mit der ersten Probeprüfung, gut 6 Wochen vor dem Abi. Das klingt früh, hat aber einen einfachen Grund: Zwischen Januar und Mai ist man schnell mal eine Woche krank. Dazu kommen Klausuren in anderen Fächern und Themen, die länger dauern als gedacht. Eine Woche Puffer wäre nach der ersten Grippe schon weg. 6 Wochen fangen das auf, und wenn nichts dazwischenkommt, bleiben sie für Proben und Feinschliff.

4. Früh unter echten Bedingungen schreiben

Die erste schriftliche Prüfungssimulation kam im März. Sie schrieb ein originales Abitur aus einem früheren Jahrgang, genau so, wie es ihr auch im Mai hätte begegnen können. Volle Zeit, nur die erlaubten Hilfsmittel. Ergebnis: 8 Punkte, also eine 3.

Das war der eigentliche Wendepunkt. Sie hätte gern mehr gehabt, klar. Aber damit war die Prüfung schon bestanden, und zum ersten Mal spürte sie: Ich schaffe das. Ab da konnte es nur noch besser werden.

Danach haben wir jeden Fehler aus der Probe einzeln durchgesprochen. So wurde sichtbar, was schon hält und wo es noch hakt, und die restlichen Wochen wurden genau darauf ausgerichtet. Im April folgte die zweite Simulation mit 11 Punkten. 7 Tage vor dem Abi die dritte mit 12 Punkten. Ihr eigenes Ziel waren 10 gewesen.

Die letzten 6 Tage hatte sie frei. Der Stress war weg. Dann schrieb sie das echte Abi: 12 Punkte. Danach war sie überglücklich und geschafft, in beiden Bedeutungen des Wortes.

Was hier gegen die Angst geholfen hat, waren vor allem die Zahlen. Wer dreimal unter Prüfungsbedingungen geschrieben hat, weiß, wie sich so ein Vormittag anfühlt, und kennt den eigenen Stand in Punkten.

Rechnet euren Plan einmal rückwärts

Nehmt den Prüfungstermin und zählt zurück:

  • Etwa 1 Woche vorher: letzte Probe, danach nur noch Ruhe und Kleinigkeiten.
  • Etwa 3 bis 4 Wochen vorher: zweite Probe.
  • Etwa 6 Wochen vorher: erste Probe mit einem originalen Abitur. Bis hierhin ist der Stoff durch.
  • Die Wochen davor: ein Schwerpunkt pro Woche, die Lücken zuerst.
  • Ganz am Anfang: bestimmen, wo dein Kind steht.

Bei einer Prüfung Anfang Mai heißt das: Start im Januar ist ideal, im Februar gut, im März wird es sportlich und knapp. Wer das jetzt im Herbst liest, hat also genau die richtige Zeit, um den Anfang in Ruhe vorzubereiten.

Was du als Elternteil tun kannst

Den Plan muss dein Kind selbst wollen, sonst hält er keine 3 Wochen. Trotzdem hast du mehr Einfluss, als es sich oft anfühlt:

  • Frag nach dem Plan. „Was steht diese Woche an?“ öffnet ein Gespräch. „Hast du heute schon gelernt?“ beendet es meistens.
  • Schütze die Nächte. In einer Tagebuchstudie mit gut 500 Jugendlichen hatten die Schüler:innen nach Nächten, in denen sie Schlaf fürs Lernen geopfert hatten, am nächsten Tag öfter Probleme im Unterricht und bei Tests (Gillen-O'Neel und Kolleg:innen, 2013). Die Studie zeigt einen Zusammenhang, Ursache und Wirkung lassen sich daraus nicht sicher ableiten. Als Hausregel taugt sie trotzdem.
  • Freu dich über Zwischenstände. 8 Punkte im März sind ein guter Grund zum Feiern. Wer merkt, dass die Arbeit wirkt, setzt sich am nächsten Tag leichter wieder hin.
  • Lass die letzte Woche frei. Wenn der Plan Ruhe vorsieht, dann gehört sie auch der Ruhe, ohne „du könntest doch noch mal kurz ...“.
  • Frag nach, was genau Sorgen macht. „Das schaffst du schon“ ist lieb gemeint, beruhigt aber selten. Auf die Frage „Was macht dir am meisten Sorgen?“ kommt oft ein konkretes Thema. Und an einem konkreten Thema kann man arbeiten.

Wenn es mehr ist als Abi-Stress

Aufregung vor dem Abitur ist normal. Wenn dein Kind aber über Wochen kaum schläft, sich zurückzieht, wenig isst oder sagt, dass alles keinen Sinn hat, dann reicht ein Lernplan nicht aus. Dann sind die Hausarztpraxis, die Schulpsychologie oder eine Vertrauenslehrkraft die richtigen Ansprechpartner. Lieber einmal zu früh nachfragen als zu spät.

Wo Hilfe von außen sinnvoll ist

Einen Plan wie oben kann eine Familie selbst aufstellen. Schwierig wird es meist an zwei Stellen: herauszufinden, wo genau die Lücken liegen, und Probeprüfungen mit originalen Abituraufgaben zu stellen und streng zu korrigieren. Für die erste Stelle gibt es unsere Lernstandsanalyse, für die zweite die Prüfungssimulation. Beides lässt sich einzeln buchen, ohne Abo. Und wenn es um den Schnitt fürs Wunschstudium geht, lohnt sich auch der Artikel Abi-Schnitt verbessern für den NC.

Eine Note kann ich niemandem versprechen. Einen Plan mit Puffer, der zum Termin deines Kindes passt, schon.

David März, Gründer der März Akademie

David März

Unterrichtet seit 2008, erst als Nachhilfelehrkraft, heute als Dozent und Gründer der März Akademie.

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